Der Dokumentarfilm «Amrit Nektar der Unsterblichkeit» wurde während des grössten Pilgerfests der Welt, der Kumbh Mela, im nordindischen Haridwar gedreht. Er erzählt Geschichten von Menschen und ihrer Beziehung zum heiligen Fluss Ganges. Yogis, Asketen, westliche Aussteiger, Wissenschaftler und Umweltaktivisten berichten von ihrem Leben am Fluss, von ihrem Glauben, von der Zukunft der Ganga und von der Bedeutung von Amrit, dem heiligen Wasser des Stroms.
Was aber ist Amrit wirklich? Der innere Weg zur Erkenntnis der Unsterblichkeit der Seele führt Millionen von Hindus zu diesem Wasser. Und so ist der Film eine Reise in eine fremde, berauschende, lebendige Welt voller Fragen und Antworten: die Suche nach dem Nektar der Unsterblichkeit.
«Der Eine, der im Wasser wohnt, der das Wasser nicht kennt, der das Wasser ist, der das Wasser beherrscht: der ist deine Seele, der Meister in dir, Amrit, der Unsterbliche.»
Ein Film von Jonas Scheu und Philipp Eyer, koproduziert von Amrit Medias und Coupdoeil. Weltpremiere am 26. Mai 2012 am Festival «Imagine India» in Madrid.
Für den Film hat Amrit Medias zudem Fotografie, Plakat, die Gestaltung von DVD und Soundtrack-CD sowie die Website umgesetzt. Mehr zu den Autoren: jonasscheu.ch.
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DVD
1 Stunde Bonusmaterial mit Sunderlal Bahuguna, Siddharta Krishna, Narmada Puri, Arun Mishra, Sadhus und Yogis der Kumbh Mela. 28-seitiges Booklet mit Hintergrundinformationen zum Film und zur Kumbh Mela. Untertitel: DE/EN/FR/SP.
LeistungenFotografie, Plakat, Grafik DVD und CD, Website
Mehr zum Film
Protagonistinnen und Protagonisten
Shri Siddhartha Krishna Brahmachari
Siddharthas Mutter kam in den 1970er-Jahren aus der Schweiz nach Indien und heiratete einen Yogi namens Prabhupada Acharya Surya Prakash (Prabhuji). Nach Siddharthas Geburt zog die Familie für fünf Jahre nach Tägerwilen im Thurgau. Doch nach Ansicht seines Vaters sollte Siddhartha Mönch werden und die heiligen Schriften des Hinduismus studieren. So studierte er zwölf Jahre lang und wurde Mönch. Zur Zeit der Dreharbeiten unterrichtete er am Shri Kailas Ashram Brahmavidya Peetham (Institute of Vedantic Research & Studies) und pflegte seinen blinden und kranken Vater Prabhuji am Ganges.
Sunderlal und Vimla Bahuguna
Zusammen mit seiner Frau Vimla kämpfte Sunderlal Bahuguna über Jahrzehnte unermüdlich gegen die Abholzung der Wälder des Himalaya und gegen die zunehmende Verbauung des Ganges durch Staudämme. Er beteiligte sich aktiv an der Unabhängigkeitsbewegung und war stark von Mahatma Gandhis Philosophie des gewaltlosen Widerstands geprägt. Mehrmals trat er in den Hungerstreik, um gegen die fortschreitende Abholzung und gegen die Staudammprojekte am Ganges zu protestieren. Sunderlal Bahuguna starb 2021, Vimla Bahuguna 2025.
Narmada Devi Puri Ma
Narmada Puri kam in den 1970er-Jahren als 23-Jährige aus Deutschland nach Indien. In Haridwar traf sie einen Yogi, der ihr Lehrer wurde und den sie bis zu seinem Tod 2001 nie mehr verliess. Seit ihrer Ankunft in Indien lebt sie an den Ufern der Ganga, ohne je in ihre Heimat zurückgekehrt zu sein. Zur Zeit der Dreharbeiten lebte sie in einem Ashram in der Nähe von Haridwar, der von vielen westlichen Yoga- und Sinnsuchenden besucht wird.
Dr. G. D. Agrawal
Dr. G. D. Agrawal (1932–2018) galt als Doyen der Umweltingenieure Indiens. Nach einer langen Laufbahn lehrte er als Honorarprofessor für Umweltwissenschaften an der Mahatma Gandhi Chitrakoot Gramodaya Vishwavidyalaya in Chitrakoot, Madhya Pradesh. Bekannt wurde er 2009 durch sein erfolgreiches Fasten gegen die Stauung des Bhagirathi. 2018 starb er nach 111 Tagen Fasten für den Schutz der Ganga.
Yogis und Swamis
Im Film kommen unter anderem Pilger, Asketen, Yogis und Mönche zu Wort, die zum Teil über 2’000 km nach Haridwar an die Kumbh Mela pilgerten oder an den Ufern der heiligen Ganga leben.
Hintergrund
Kumbh Mela
«Infolge eines Fluchs hatten einst die Götter, die Devas, ihre Unsterblichkeit verloren. Um sie wiederzuerlangen, mussten sie sich mit den verfeindeten Dämonen, den Asuras, verbünden und gemeinsam den Milchozean aufwühlen, denn in den Tiefen des Milchmeers lag der unsterblich machende Amrit verborgen. Götter und Dämonen versprachen einander, den Nektar brüderlich zu teilen. Doch als die Dämonen vom kostbaren Trank, der in einen Krug (Kumbh) gefüllt war, trinken wollten, um die Unsterblichkeit für sich allein zu haben, floh Jayanta, der Sohn der Himmelsgottheit, in Gestalt einer Krähe mit dem Krug davon. Es kam zu einem heftigen Kampf zwischen Dämonen und Göttern. Von den Dämonen verfolgt, flog die Krähe in Richtung Paradies. Während des Flugs fielen vier Tropfen Nektar auf die Erde: die heutigen vier heiligen Orte Haridwar, Allahabad, Ujjain und Nashik. Am Ende siegten die Götter, und die Krähe erreichte nach zwölf Tagen das Paradies. Jeder dieser Tage entspricht einem Erdenjahr. So wird die Kumbh Mela, das «Krugfest», alle drei Jahre an einem der vier heiligen Orte gefeiert, und jeder Ort wird alle zwölf Jahre zum Austragungsort.»
Die Kumbh Mela in Haridwar dauerte vom 14. Januar bis zum 28. April 2010. Während dreier Monate entstand am Stadtrand eine riesige Zeltstadt mit Tempeln, Spitälern, Essständen und Geschäften. Gläubige, Heilige, Yogis, Kranke, Bettler und Neugierige aus der ganzen Welt versammelten sich an den Ufern des Ganges. Nach Schätzungen der Behörden strömten in dieser Zeit mehr als 50 Millionen Pilgerinnen und Pilger nach Haridwar (1988 waren es lediglich 10 Millionen). Allein am 14. April, dem Höhepunkt des Festes, badeten beim königlichen Bad, dem Shahi Snan, rund 16,6 Millionen Menschen in der heiligen Ganga.
Nach hinduistischer Auffassung ist die Zeit der Kumbh Mela besonders heilbringend für ein rituelles Bad: Aufgrund der einzigartigen Konstellation der Sterne und Planeten wird das Wasser des Ganges während dieser Monate zum Unsterblichkeitsnektar Amrit. Darum pilgern Millionen von Gläubigen aus allen Ecken des Landes nach Haridwar, um einige Tropfen des heiligen Nektars zu trinken.
Haridwar
Seit Jahrtausenden pilgern Hindus aus ganz Indien zu den zahlreichen heiligen Orten entlang des Ganges. Dort besuchen sie Tempel, beten zur Mutter Ganga, baden und trinken das heilige Wasser. Haridwar ist eine der wichtigsten Pilgerstätten am Ganges und gilt als «Tor zu Gott» (Hari = Gott, Dwar = Tor). Die Stadt liegt am Fuss des Himalaya, wo der Fluss aus den engen Tälern in die weite Ebene Indiens tritt. Das ganze Jahr über kommen Millionen von Gläubigen, um im heiligen Wasser zu baden, an seinem Ufer zu beten und zu meditieren, sich von ihren Sünden zu reinigen oder die Asche verstorbener Angehöriger dem Fluss zu übergeben. Alle zwölf Jahre findet in Haridwar das grösste religiöse Fest der Welt statt, die Kumbh Mela.
Ganga
Der Ganges ist eines der grössten und bedeutendsten Flusssysteme Asiens. Von seinen Quellen im indischen Himalaya fliesst er 2’500 km quer durch den Norden des Subkontinents und mündet im Golf von Bengalen. Als Lebensader für über 500 Millionen Menschen nährt der Fluss weite Teile des Ökosystems Nordindiens.
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Wasserqualität im Unterlauf dramatisch verschlechtert. Die Verschmutzung durch Industrieabfälle, vergiftetes Abwasser, Schwermetalle und Fäkalien ist enorm. Mit der Erderwärmung und dem Abschmelzen der Gletscher ist der Ganges auch im Oberlauf gefährdet. Zudem werden in den Tälern des Himalaya immer mehr Staudämme zur Stromgewinnung gebaut, wodurch die Wassermenge im Hauptfluss sinkt. Laut Umweltaktivisten wird dies weitreichende Folgen für das ganze Ökosystem haben, etwa Wasserknappheit in Millionenstädten wie Kanpur und Allahabad, die rund 70 % ihres Trinkwassers aus dem heiligen Fluss beziehen. Wie die Zukunft des Flusses aussehen wird, wissen wohl nur die indischen Götter.
Amrit
Amrit (Sanskrit: अमृत) bedeutet «ohne Tod» oder «Unsterblichkeit» und wird in den alten hinduistischen Schriften oft als Nektar der Unsterblichkeit beschrieben. Obwohl etymologisch nicht verwandt, gleicht Amrit in seiner Bedeutung stark dem griechischen Begriff Ambrosia.
Alle Wesen dieser Welt sind sterblich. Nach hinduistischer Auffassung wird die Seele jedoch aufgrund ihrer karmischen Taten immer wieder neu geboren. Ziel des menschlichen Lebens ist es, sich aus diesem Kreislauf der Wiedergeburten zu befreien und unsterblich zu werden: das wahre Selbst zu verwirklichen und die individuelle Seele, Atman, mit der universellen Seele, Brahman, zu vereinen. Die hinduistischen Traditionen kennen zahlreiche Wege zur Erlösung, Moksha, zum Nektar der Unsterblichkeit.
Bilder
Festivals und Presse
26.5.2012Weltpremiere, 11. Filmfestival «Imagine India», Madrid
3.7.2012XXVI Pärnu International Film Festival, Estland
22.7.20129. Indisches Filmfestival «Bollywood and beyond», Stuttgart
16.8.2012Indian Film Festival Berlin
8.10.2012VI Moscow International Festival of Visual Anthropology
10.201425. Festival international du film de thématique religieuse, Prix Farel, Neuchâtel
Presse
Walliser Bote, 8. Juni 2012 · Le Régional, 18. Oktober 2012 · Le Messager, 26. Oktober 2012 · The Asian Age, 18. Dezember 2012
Soundtrack
Das Album spiegelt die ruhige Weisheit der Menschen im Film inmitten des Trubels einer dicht besiedelten Gegend. Es nimmt mit auf eine Reise durch die meditative Stimmung indischer Musik, verwoben mit feinen atmosphärischen Klängen. Die CD enthält zudem einige Bonustracks, die im Film nicht verwendet wurden.
Die Musik entstand mit Olivier Rittener, einem Bewahrer der verschwindenden Instrumente Sarangi und Vichitra Veena. Stephane Montangero spielt die Tablas nach zwanzig Jahren Unterricht bei den grossen Meistern Kalkuttas, Sujay Bobade die Bansuri, die indische Bambusflöte. Daniel Symons alias Dymons hat alles aufgenommen, arrangiert und gemischt, mit Synthesizern, Programmierung und eigenen Feldaufnahmen seiner Reisen nach Indien, in seinen «Alchemy Studios» in der Schweiz.
Erschienen am 22. November 2013 bei Elestial Records. Fotos: Philipp Eyer, Coupdoeil · Cover: Jonas Scheu, Amrit Medias.
MitShri Prabhuji Siddharta Krishna, Mata Ji Narmada Puri, Sunderlal Bahuguna, Vimla Bahuguna, Professor G. D. Agarwal, Kriya Yogi, Arun Mishra und die Pilgerinnen und Pilger der Kumbh Mela